Michael Teuber - ein Mann ohne Grenzen. Paralympics-Sieger bezwingt Alpen-4000er.

Saas Fee/Schweiz. Michael Teuber, inkomplett querschnittgelähmter Paralympics-Sieger im Straßen-Einzelzeitfahren, bezwingt den vergletscherten Gipfel der „Weissmies“, ein 4.023 Meter Hoher Bergriese in den Walliser Alpen. Vierundzwanzig Stunden später besteigt er mit seiner Seilschaft auch das 4.027 Meter hohe „Allalinhorn“.

Michael Teuber ist ein Mann, der keine Grenzen zu kennen scheint – obwohl er seine Beine unterhalb der Knie nach einer inkompletten Querschnittlähmung vor 25 Jahren weder spüren noch bewegen kann. Den höchsten Berg Afrikas, den fast 6000 Meter hohen Kilimanjaro, hat er bereits bestiegen, den über 3.700 Meter hohen „El Teide“ auf Teneriffa bezwang er non-stop von Meereshöhe. Etliche 3000er in den Alpen hat der 45-jährige Extremsportler bereits abgehakt, jetzt wagte sich der abenteuerlustige Paralympics-Radler noch weiter an die Grenze des Machbaren und nahm sich dazu einen Viertausender in den Westalpen vor. Für Bergsteiger ist 4000 eine magische Zahl, gut 50 Hauptgipfel dieser Höhe gibt es in den Alpen, diese Berge gelten als die wahren Prüfungen im Alpinismus. Die Gefahr ist auf den 4000ern allgegenwärtig, denn ein Absturz ist so gut wie immer tödlich. So stürzten erst im Juli 2012 fünf Bergsteiger bei einem Drama am Lagginhorn, dem Nachbargipfel der Weissmies in den Tod.

Teuber wählte für seine erste 4000er-Hochtour den prächtigen Hauptgipfel der Weissmiesgruppe, ein Berg, der hinsichtlich der Eigenständigkeit (Schartenhöhe/Prominenz) auf Rang 9 der Alpen-4000er steht. Obwohl die Weissmies nicht zu den schwierigsten Viertausendern gehört, sind die Anforderungen sehr hoch. Bis zum Gipfel sind 1.000 Höhenmeter in großer Höhe zurückzulegen, die Atemluft ist dünn. Die Route führt komplett über Firnfelder und Gletscher, es sind Rampen bis 45 Grad Steigung zu überwinden. Am Ende geht es über einen ausgesetzten Firngrat zum Gipfel, gefährliche Gletscherspalten sind allgegenwärtig. Bergsteiger gehen in Seilschaften und setzten Steigeisen und Eispickel ein, oft werden Bergführer engagiert. Diese Schwierigkeiten machen die Besteigung für Michael Teuber zu einer extremen Herausforderung an der Grenze des mit seinem Handicap Machbaren. Teuber bildete mit Tourenführer Franz Zissler und Markus Bauer, beide langjährige Rad-Kollegen im BVS Bayern (Behindertensportverband Bayern), eine Seilschaft. Das gut trainierte Team schaffte den Aufstieg in etwa 3 Stunden, fast genauso lang brauchten das Trio für den Abstieg, bei dem Teuber wie schon so oft bei seinen Bergtouren große Probleme wegen seines Handicaps hat.

Michael Teuber: „Der erste Alpen-4000er war eines meiner großen Ziele im Bergsport. Es ging durch grandiose Gletscherwelten auf einen herrlichen Firngipfel, das war ein fantastisches Erlebnis. Es war aber auch klar, dass die Tour hart wird. Besonders schwierig war für mich, die mit Bergstiefeln, Schienen und Steigeisen ungewohnt schweren Füße immer sauber aufzusetzen und nicht mit den Steigeisen an der Hose oder im Firn hängenzubleiben und zu stolpern. Hier war neben der enormen körperlichen Anstrengung volle Konzentration über viele Stunden nötig. Bei den steilen Firnrampen habe ich den Pickel eingesetzt und wurde von unserem Tourenführer Franz Zissler gesichert, das hat funktioniert. Der Abstieg war knifflig und ging brutal in die Oberschenkel, in denen mir ja auch ein Drittel an Muskulatur fehlt. Dieses Bergprojekt war wieder ein bedeutender Meilenstein in meinem Leben: Ich habe meine Limits noch weiter verschoben und gezeigt, was trotz Handicap möglich ist. Das macht mich glücklich und stolz. Ich möchte mich bei meinen Sponsoren, insbesondere bei Audi, adidas und der Sparkasse Dachau für die spezielle Unterstützung bei diesem Projekt bedanken.“

Vierundzwanzig Stunden später stand Teuber auf dem Gipfel des 4.027 Meter hohen Allalinhorns und hatte bereits seinen zweiten Viertausender geschafft.

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