Michael Teubers Autobiografie "Aus Eigener Kraft" seit August 2016 im Buchhandel

von Jannick Schneider/SPOX

CoverTeuber2 2016 06 20"Aus Eigener Kraft - wie mich die größte Krise meines Lebens stark gemacht hat" - Die Autobiografie des mehrfachen Paralympicssiegers Michael Teuber bietet mehr als herkömmliche Sportlerbiografien, das zeigt schon der Titel. Der Para-Cycler schildert nicht nur beeindruckend offen, wie er sich nach einem schweren Autounfall vor fast 30 Jahren in ein selbstbestimmtes Leben zurückgekämpft hat, sondern benennt in "Aus eigener Kraft" schonungslos Mängel der Gesellschaft und der Politik im Umgang mit Leistungssportlern im Allgemeinen und behinderten Sportlern im Speziellen.

Michael Teuber als kritischen Geist zu bezeichnen, ist wahrlich keine Übertreibung. Erst Anfang dieser Woche übte er Kritik an der Wahl des deutschen Fahnenträgers für die Eröffnungsfeier der Paralympics, deren Wettkämpfe seit Donnerstag im Gange sind. Der vierfache Paralympics-Sieger hätte mit Tischtennisspieler Jochen Wollmert bei seinen wohl letzten Spielen lieber einen der erfahreneren Recken als Fahnenschwenker gesehen und äußerte öffentlich sein Unverständnis an der Wahl des vergleichsweise unerfahrenen Weitspringers Markus Rehm. Dass der 48-Jährige dafür nicht nur positives Feedback erntete, nahm der Bayer in Kauf - wie so oft, wenn dem Familienvater etwas persönlich wichtig erscheint.
Es ist daher wenig verwunderlich, dass Teuber in seiner kurz vor dem Abflug nach Rio im Edel-Verlag erschienenen Autobiografie "Aus eigener Kraft", die er zusammen mit Co-Autor Thilo Komma-Pöllath geschrieben hat, trotz seiner Vielzahl an Erfolgen nicht nur von der heilen Sportlerwelt berichtet.

TEUBER SCHREIBT AUCH ÜBER BISHERIGE TABU-THEMEN

Nach einem schweren Autounfall auf dem Weg mit Freunden in den Surfurlaub 1987 ist der Teenager zwar inkomplett, aber irreversibel querschnittsgelähmt. Die Prognose der Ärzte nach mehreren Operationen ist für Teuber niederschmetternd. Sie bereiten ihn auf ein Leben im Rollstuhl vor, das er langfristig so nicht akzeptieren will. Über mehrere Jahre kämpft er sich mit langsam zurückkehrender Zuversicht und der nötigen Disziplin zurück in ein selbstbestimmtes Leben und lernt, mit Hilfsmitteln wieder zu Laufen. Bemerkenswert ist dabei, wie offen Teuber die Schwierigkeiten auf dem Weg zurück in den ersten Kapiteln anspricht. Dabei werden auch Tabuthemen wie Sexualität und mögliche Inkontinenz bei Menschen mit Querschnittslähmung thematisiert. "Ich habe mindestens fünf Jahre benötigt, bis ich ein wirklich natürliches Selbstvertrauen zurückerlangt hatte", erklärte er auf der Pressekonferenz seiner Buchvorstellung.

TEUBER: "OLYMPISCHE UND PARALYMPISCHE SPORTLER SITZEN IM GLEICHEN BOOT"

Seit nun mehr als zwei Jahrzehnten wird Teubers Leben vom Leistungssport bestimmt. Gänzlich zufrieden ist er mit den Umständen, in denen er und seine Kollegen leben, aber nicht. Dieser Thematik widmet der Paralympicssieger gleich mehrere Seiten: "Leistungssportler werden in Deutschland nicht als Elite wahrgenommen", heißt es im passenden Kapitel "Wir sind Helden zweiter Klasse". Damit bezieht er sich nicht explizit auf Behindertensportler, die meistens trotz Vollzeitjob alles einem mindestens semiprofessionellen Sportlerleben unterordnen.
Teuber bezieht in diesem Statement auch die Olympioniken mit ein: "Wir sitzen ja irgendwie in einem Boot. Etwas überspitzt formuliert: Nach dem Fußball bilden sie die zweite und wir dann die dritte Klasse", erklärte er mit einem Lächeln.
Teuber hat es zwar sportlich dank seiner großen Erfolge - fünf Goldmedaillen bei Paralympics sowie 18 WM-Titel - geschafft, sich über die Sporthilfe hinaus mit privaten Sponsoren den Status des Profis zu erarbeiten. Doch der Para-Cycler weiß: "Sportler, die sich auf die Sporthilfe verlassen müssen, führen zu meist ein Leben am Existenzminimum." Dementsprechend habe er mit Wohlwollen die Kritik einzelner Olympioniken am System wahrgenommen, wie sie etwa Schwimmstar Philip Heintz äußerte.

Teuber, das wird in seinem Buch deutlich, ist genervt von der fehlenden Wertschätzung für Leistungssportler im Allgemeinen und für ambitionierte Behindertensportler im Speziellen. "Das prägt eine Stimmung in der viel gerechnet und wenig gejubelt wird. Angemessenes Verständnis für die ungewöhnliche Lebenssituation von Berufssportlern, die für Deutschland an den Start gehen, gibt es nicht", schreibt er.
Der Leser erhält durch die gute Zusammenarbeit von Teuber und Komma-Pöllath durchaus angemessene Nachhilfe für diese Verhältnisse. Zudem gibt es einen kurzen Exkurs, welche Wertschätzung Sportler in anderen Ländern erhalten.

AUTOBIOGRAFIE AUCH MUTMACHER BUCH - TEUBER: "GRENZEN ZUM POSITIVEN VERSCHIEBEN"

Michael Teuber sieht seine Biografie in gewisser Weise auch als "Mutmacher-Buch". Er sei sich selbstverständlich im Klaren darüber, dass nicht jeder Rollstuhlfahrer mit dem nötigen Willen irgendwann wieder laufen kann. "Ich möchte auch nicht, dass das so rüberkommt. Es geht vielmehr darum, Grenzen auszuloten, sie auszutesten und nach Möglichkeit zum Positiven zu verschieben."
Teuber selbst ist das auf beeindruckende Art und Weise gelungen. Bei den Paralympics in Rio de Janeiro hat er mit seiner historischen dritten Titelverteidigung im Einzelzeitfahren zu seiner erfolgreichen Laufbahn ein weiteres Kapitel hinzufügt. Seine Autobiografie ist unabhängig seines fünften Paralympics-Golds lesenswert - Sportfan muss man dazu nicht sein.

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Rio 2016 - ein bisschen Paralympics-Geschichte geschrieben

2016 09 14 17 27 26 IMG 8662Annemie und Peter Teuber standen glücklich im Ziel und nahmen ihren Helden freudestrahlend in die Arme. "Yes, gewonnen, Wahnsinn", rief Michael Teuber seinen stolzen Eltern zu, die den fünften Paralympics-Triumph ihres Sohnes am Strand von Barra live miterlebt hatten.

"Das ist fantastisch. Sie haben mich von Anfang an begleitet, waren schon 2004 in Sydney dabei. Das sind meine treuesten Fans. Es ist toll, dass sie da sind", sagte der 48-Jährige mit der Deutschland-Fahne um die Schultern und einem Strahlen im Gesicht: "Ich bin überglücklich. Es ist alles perfekt aufgegangen. Ich habe ein bisschen Paralympics-Geschichte geschrieben. Viel besser geht’s nicht."

17.000 Kilometer hatte er in der Vorbereitung auf dem Rad gesessen, sich geschunden, Grenzen ausgelotet ("Das macht mich an") für das große Ziel im Zeitfahren – und das erreichte er überlegen: In der Klasse C1 gewann er in 27:53,98 Minuten deutlich vor Ross Wilson aus Kanada (28:47,34).

Es sei für ihn "als Perfektionisten geil, wenn man einen Plan hat und am Tag X alles so funktioniert. Das macht einfach Spaß", sagte Teuber, der seit einem Autounfall 1987 inkomplett querschnittsgelähmt ist. Dies hielt ihn nicht von einem Leben am Limit ab. Mit eisernem Willen kämpfte er sich aus dem Rollstuhl und ließ sich später auch von schweren Verletzungen nicht aus der Bahn werfen.

So erlitt er 2014 nach einem Sturz einen Trümmerbruch im Oberschenkel, fünf Monate später saß er wieder auf dem Rad. Einen seiner größten Träume hatte Teuber sich da schon erfüllt: 2010 bestieg er den fast 6000 Meter hohen Kilimandscharo.

In Rio dann gewann Teuber das Zeitfahren nach 2004, 2008 und 2012 zum vierten Mal in Folge. 2004 war das Zeitfahren noch mit dem normalen Straßenrennen kombiniert worden. Seine weitere Goldmedaille holte Teuber ebenfalls 2004 im Verfolgungsrennen auf der Bahn. Doch in einem Alter, in dem andere sportlich längst im Ruhestand sind, denkt der streitbare und ehrgeizige Bayer noch lange nicht ans Aufhören.

Das mag mancher im Verband nicht gern hören. Teuber zählt zu jenen, die stets sagen, was sie denken. Er legt sich gern mit dem System an. So passte ihm die Wahl von Markus Rehm zum Fahnenträger des deutschen Teams nicht. Beim Deutschen Behindertensportverband (DBS) sorgten die Äußerungen des Münchners für einige Kritik, auch Teamkollegen stellten sich gegen ihn.

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"Wir sind Helden zweiter Klasse"

Auch in seiner kurz vor den Paralympics veröffentlichten Autobiografie "Aus eigener Kraft" beschreibt er nicht nur die heile Welt des (Behinderten-)Sports und übt dabei Kritik an der Gesellschaft. "Leistungssportler werden in Deutschland nicht als Elite wahrgenommen", schreibt er im Kapitel "Wir sind Helden zweiter Klasse". Man sitze mit den Olympioniken "irgendwie in einem Boot. Etwas überspi

tzt formuliert: Nach dem Fußball bilden sie die zweite und wir dann die dritte Klasse".

Teuber wird weiter den Finger in die Wunde legen. Er habe seine "Midlife-Crisis" schon gehabt, "das ist schon ein paar Jahre her". Das Radfahren mache ihm nach wie vor "Riesenspaß, das Alter ist nicht entscheidend. Solange ich so schnell fahren und den Jungen ein Schnippchen schlagen kann, mache ich weiter", sagte Teuber.

Selbst Tokio 2020, es wären seine sechsten Paralympics, mag der unerbittliche Kämpfer nicht ausschließen: "Ich mache hier nicht Schluss! Es muss erst einmal einer seine Puzzleteilchen so zusammensetzen wie Michael Teuber."

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Bild: Oliver Kremer

Michael Teuber beendet Sensationsjahr und plant Attacke für Rio 2016

Michael Teuber beendet die härteste Saison seiner Karriere - und blickt schon nach Rio

13 Monate lang hat Sparkassen-Rennfahrer Michael Teuber nach seinem schweren Mountainbike-Unfall im September 2014 trainiert und Radrennen bestritten - nahezu ohne Unterbrechung. Der Paralympicsieger aus Odelzhausen ist sage und schreibe an die 800 Stunden im Sattel gesessen und hat mehr als 19 000 Kilometer abgespult.

Das irre Pensum hat den 47-Jährigen viel Kraft gekostet. Umso größer ist nun die Freude, dass er in die wohl verdiente Winterpause gehen kann. Naturgemäß verabschiedet er sich nicht, ohne gleich die Ziele für die kommende Saison auszugeben. Die Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro werden 2016 das absolute Highlight für alle Para-Sportler sein. Mit dem WM-Titel im Zeitfahren hat Michael Teuber das höchste Qualifikationskriterium des deutschen Behindertensportverbands erfüllt und somit seine fünfte Teilnahme an den Paralympischen Spielen gesichert. Und wer Teuber kennt, der weiß: Er möchte auch aus Brasilien unbedingt die ein oder andere Medaille mitnehmen.

Um neue Kräfte zu sammeln, stehen nun "zwei Wochen echte Pause an", wie Teuber beteuert. Im Dezember will der populäre Handicap-Sportler zunächst ganz locker mit dem Training auf der Rolle und im Fitnessstudio beginnen. "Die Wettkampfsaison 2016 mit dem Höhepunkt in Rio Mitte September wird lang, da muss ich mir meine Kräfte gut einteilen", sagt er.

Wenn Teuber seine Leistungen aus dem Jahr 2015 in Brasilien nur ansatzweise wiederholen kann, gehört er zweifelsohne zu den Favoriten im Kampf um die Medaillen. Denn im laufenden Jahr gewann er fünf von acht Weltcuprennen - so viel wie noch nie zuvor in einem Jahr - und holte zudem seinen vierten Gesamtweltcupsieg. Darüber hinaus verteidigte Teuber mit WM-Gold Nummer 18 seinen Titel im Zeitfahren, gewann Silber im Straßenrennen und steht am Ende der Saison wieder an Nummer eins der Weltrangliste. Teuber sagt: "Es war ein fantastisches Jahr, ich war in der Form meines Lebens und bin von Sieg zu Sieg gefahren. Nicht mal eine weitere massive Verletzung kurz vor der Weltmeisterschaft konnte mich aufhalten. Das war der Wahnsinn."

Nun, in den ruhigen Wochen, stehen für den 47-Jährigen mehrere Ehrungen auf dem Programm: Zunächst werden die besten Sportler mit Behinderung gekürt, und kurz vor Weihnachten geht es für Teuber und seine Ehefrau Susanne wieder zur Ehrung des "Sportler des Jahres" nach Baden-Baden. Teuber, der seit 1998 kontinuierlich Spitzenleistungen im paralympischen Radsport erbringt, gehört mit 14 Nominierungen mittlerweile zu den Rekordteilnehmern beim sogenannten Familienfest des deutschen Sports.

Saisonende2015

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Great freeride weekend with the family. Casually tried to be quick sometimes🚴💨💨💨. Funny snapshot at the cable car - Ortema ortheses vs. huge calves...don't worry, I was faster anyway - well, you should not rest during the ride...😜 So my time from top to bottom of the mountain was not so bad, quickest gaffer on the trail😎. #ScottGeniusLT #XTR #uvex #MagicMary #AdidasEyewear #AdidasCycling #Powerbar Ortema Sport Protection
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Der ganze Bericht zu den World Games of Mountainbiking auf www.michael-teuber.de ! Saalbach-Hinterglemm (AUT). Nur einen Tag war Sparkassen-Rennfahrer Michael Teuber (BSV München) nach seiner Rückkehr von den Paracycling-Straßenweltmeisterschaften in Südafrika zu Hause in Dietenhausen, dann ging es weiter zu den World Games of Mountainbiking. Das Event ist für die Paracycler ein weiterer wichtiger Saisonhöhepunkt, der traditionell Anfang September im österreichischen Saalbach-Hinterglemm ausgetragen wird. Die Handicap-Wertung für Paracycler ist ein Musterbeispiel für gelungene und gelebte Inklusion im Sport. ...
Nach Gold bei den Straßenweltmeisterschaften holt Paracycler Michael Teuber bei den World Games of Mountainbiking auch den Titel im Mountainbike Marathon. Saalbach-Hinterglemm (AUT). Nur einen Tag wa
Der ganze Bericht zur Straßen-WM auf www.michael-teuber.de 👍👊💪🥇🌈🇩🇪😀. "Als härtester Rivale Teubers auf der anspruchsvollen Zeitfahrstrecke mit insgesamt 360 Höhenmetern stellte sich schnell der Paralympics-Zweite von Rio 2016, Ross Wilson aus Kanada heraus, der nach der ersten von drei Runden sieben Sekunden vor Teuber lag. Doch dann drehte Routinier Teuber auf ..."
Pietermaritzburg. Besser hätten die Paracycling-Weltmeisterschaften in Pietermaritzburg (Südafrika) für Sparkassen-Rennfahrer Michael Teuber aus Dietenhausen kaum laufen können. Der fünfmalige Pa
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