Sparkassen-Rennfahrer Michael Teuber startet mit Bayerischem Meistertitel in die Saison

Die Paracycler starteten bei den Bayerischen Meisterschaften in Pillnach bei Straubing beim Einzelzeitfahren über 20,8 Kilometer im sogenannten Faktorsystem, bei dem alle Handicap-Klassen gemeinsam gewertet werden. Ein Rundkurs mit sieben kniffligen 90°-Kurven musste viermal durchfahren werden. Michael Teuber, der Zeitfahr-Paralympics-Sieger vom BSV München, raste in 31 Minuten und 32 Sekunden durch den weitgehend flachen Kurs und gewann den Meistertitel mit einem Schnitt von 39,6 km/h. Sein direkter Rivale aus der C1-Klasse, Erich Winkler vom RC Vilsbiburg, wurde mit 30 Sekunden Rückstand Zweiter. Steffen Warias, seines Zeichens C3-Paralympicssieger im Straßenrennen von Rio 2016 und Neuzugang im BSV München, kam auf Rang drei.
Am Sonntag ging es nach Baiersdorf bei Erlangen, wo die bayerischen Meisterschaften im Straßenrennen stattfanden. Das Rennen führte über einen ausgesprochen schweren, 10,5 Kilometer langen Kurs mit Anstiegen mit bis zu 12 Prozent Steigung. Der Kurs musste vier Mal durchfahren werden. Alle Klassen (C1-C5) starteten zusammen, wurden aber getrennt gewertet. Schnell kam es durch eine Attacke von Paralympicssieger Steffen Warias zu einer Selektion, er gewann in der Folge die C3-5 Wertung vor Newcomer Tobias Vetter und Manuel Korber (alle BSV München). Michael Teuber konnte sich ebenfalls von seinen direkten Konkurrenten absetzten und gewann die C1-2 Wertung vor Erich Winkler und Kurt Lallinger vom RC Concordia München.
Michael Teuber, der auch Landestrainer der bayerischen Paracycler ist: „Wir haben in Bayern in einigen Klassen so starke Konkurrenz und pushen uns gegenseitig, so dass jedes Rennen fast wie eine internationale Meisterschaft ist und man danach unmittelbar weiß, wo man steht. Die Form passt bei allen, wir sind bereit für die Weltcupsaison!“
Bereits diese Woche geht es für die Deutschen Paracycler ins Italienische Maniago zum ersten Weltcup der Saison. Es folgen im knappen Abstand weitere Weltcuprennen in Oostende/Belgien und Emmen/Niederlande sowie die Deutschen Meisterschaften in Köln.
Landesmeisterschaften im Paracycling gibt es derzeit nur im Bayerischen Landesverband. Die Kooperation zwischen dem Bayerischen Radsportverband mit Paracycling-Koordinator Kurt Lallinger und der Paracycling Abteilung des BVS Bayern mit Abteilungsleiter Franz Zissler und Landestrainer Michael Teuber läuft seit einigen Jahren, so dass die Integration der Paracycling-Rennen in die regulären Bayerischen Meisterschaften mittlerweile Standard ist.

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von links: Erich Winkler, Michael Teuber, Steffen Warias

Rio 2016 - ein bisschen Paralympics-Geschichte geschrieben

2016 09 14 17 27 26 IMG 8662Annemie und Peter Teuber standen glücklich im Ziel und nahmen ihren Helden freudestrahlend in die Arme. "Yes, gewonnen, Wahnsinn", rief Michael Teuber seinen stolzen Eltern zu, die den fünften Paralympics-Triumph ihres Sohnes am Strand von Barra live miterlebt hatten.

"Das ist fantastisch. Sie haben mich von Anfang an begleitet, waren schon 2004 in Sydney dabei. Das sind meine treuesten Fans. Es ist toll, dass sie da sind", sagte der 48-Jährige mit der Deutschland-Fahne um die Schultern und einem Strahlen im Gesicht: "Ich bin überglücklich. Es ist alles perfekt aufgegangen. Ich habe ein bisschen Paralympics-Geschichte geschrieben. Viel besser geht’s nicht."

17.000 Kilometer hatte er in der Vorbereitung auf dem Rad gesessen, sich geschunden, Grenzen ausgelotet ("Das macht mich an") für das große Ziel im Zeitfahren – und das erreichte er überlegen: In der Klasse C1 gewann er in 27:53,98 Minuten deutlich vor Ross Wilson aus Kanada (28:47,34).

Es sei für ihn "als Perfektionisten geil, wenn man einen Plan hat und am Tag X alles so funktioniert. Das macht einfach Spaß", sagte Teuber, der seit einem Autounfall 1987 inkomplett querschnittsgelähmt ist. Dies hielt ihn nicht von einem Leben am Limit ab. Mit eisernem Willen kämpfte er sich aus dem Rollstuhl und ließ sich später auch von schweren Verletzungen nicht aus der Bahn werfen.

So erlitt er 2014 nach einem Sturz einen Trümmerbruch im Oberschenkel, fünf Monate später saß er wieder auf dem Rad. Einen seiner größten Träume hatte Teuber sich da schon erfüllt: 2010 bestieg er den fast 6000 Meter hohen Kilimandscharo.

In Rio dann gewann Teuber das Zeitfahren nach 2004, 2008 und 2012 zum vierten Mal in Folge. 2004 war das Zeitfahren noch mit dem normalen Straßenrennen kombiniert worden. Seine weitere Goldmedaille holte Teuber ebenfalls 2004 im Verfolgungsrennen auf der Bahn. Doch in einem Alter, in dem andere sportlich längst im Ruhestand sind, denkt der streitbare und ehrgeizige Bayer noch lange nicht ans Aufhören.

Das mag mancher im Verband nicht gern hören. Teuber zählt zu jenen, die stets sagen, was sie denken. Er legt sich gern mit dem System an. So passte ihm die Wahl von Markus Rehm zum Fahnenträger des deutschen Teams nicht. Beim Deutschen Behindertensportverband (DBS) sorgten die Äußerungen des Münchners für einige Kritik, auch Teamkollegen stellten sich gegen ihn.

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"Wir sind Helden zweiter Klasse"

Auch in seiner kurz vor den Paralympics veröffentlichten Autobiografie "Aus eigener Kraft" beschreibt er nicht nur die heile Welt des (Behinderten-)Sports und übt dabei Kritik an der Gesellschaft. "Leistungssportler werden in Deutschland nicht als Elite wahrgenommen", schreibt er im Kapitel "Wir sind Helden zweiter Klasse". Man sitze mit den Olympioniken "irgendwie in einem Boot. Etwas überspitzt formuliert: Nach dem Fußball bilden sie die zweite und wir dann die dritte Klasse".

Teuber wird weiter den Finger in die Wunde legen. Er habe seine "Midlife-Crisis" schon gehabt, "das ist schon ein paar Jahre her". Das Radfahren mache ihm nach wie vor "Riesenspaß, das Alter ist nicht entscheidend. Solange ich so schnell fahren und den Jungen ein Schnippchen schlagen kann, mache ich weiter", sagte Teuber.

Selbst Tokio 2020, es wären seine sechsten Paralympics, mag der unerbittliche Kämpfer nicht ausschließen: "Ich mache hier nicht Schluss! Es muss erst einmal einer seine Puzzleteilchen so zusammensetzen wie Michael Teuber."

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Bild: Oliver Kremer

2 Mal Silber bei den Deutschen Bahnmeisterschaften

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Köln. Nach einigen Jahren ohne Deutsche Bahn-Meisterschaften konnte in diesem Jahr ein Veranstalter gefunden werden: Die Para-DM wurde in die Deutschen Meisterschaften der Nachwuchsklassen integriert, so dass sowohl eine professionellen Organisation als auch etliche Zuschauer auf der Haben-Seite des Events im Kölner Rad-Stadion standen. Allerdings war der Zeitpunkt ungünstig gewählt: Paralympics-Aspiranten wie Sparkassen-Rennfahrer Michael Teuber befanden sich gerade in einer letzten Regenerationsphase vor den Spielen im September in Rio de Janeiro, in der eine Intensiv-Belastung wie ein Bahn-Rennen eher kontraproduktiv ist.
Dennoch kamen hochwertige Wettkämpfe und sogar persönliche Bestleistungen zustande - allerdings nicht von Teuber, der mit einer Zeit von 4:15 Minuten in der 3000 Meter Verfolgung unter seinen Möglichkeiten blieb. Dagegen konnte Erich Winkler aus Landshut mit einer Zeit von 4:05 Minuten seine Bestleistung abrufen und schlug Teuber klar. Dritter wurde Andreas Rudnicki aus Nendorf. Ein ähnliches Bild ergab sich im 1000 Meter Zeitfahren: hier holte Winkler in 1:23 Minuten seinen zweiten DM-Titel vor Teuber und Christian Krötz aus Worms.
Teuber zu den Wettkämpfen: "Natürlich wurmt es mich, dass ich keine bessere Leistung abliefern konnte, aber die Luft war raus. Nach 7 Monaten Training war eine Regenerationsphase dringend nötig, um frisch in den letzten großen Trainingsblock vor dem Saisonhöhepunkt gehen zu können, ich konnte keine Spannung für den Wettkampf aufbauen. Gratulation an meinen überragenden bayerischen Teamkollegen und Freund Erich Winkler.
Für die Paralympics in Rio werde ich mich jedoch ohnehin zu 100% auf das Straßenzeitfahren konzentrieren, weil ich ausschließlich dort meine Medaillenchance sehe - auf der Bahn ist der Zug abgefahren, hier werden in der Verfolgung Zeiten von weit unter 4 Minuten gefahren."

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